»Verpflichtende Sprachkurze« – Highlights aus dem AfD-Programm

Da ihr in Sachsen übernächsten Sonntag wählen dürft und sich abzeichnet, dass die AfD in den Landtag einzieht, hier schon mal ein Vorgeschmack dessen, was da so auf euch zukommt.

Sich selbst bezeichnet die AfD als eine »konservative Volkspartei«. Tatsächlich ist das Wahlprogramm eher eine Mischung aus allem, was irgendwie populär ist und mit dem sich Wählerstimmen aus allen Lagern fangen lassen. Zwischen drin schaut aber immer wieder der ultrarechte Kern der Partei durch. Beispiele gefällig?

II.2.7. Gegen eine Früh- und Hypersexualisierung in Kindergarten und Schule

Sexualkundeunterricht muss mit der körperlichen und seelischen Entwicklung der Kinder Schritthalten und gehört deshalb nicht in den Kindergarten, sondern in die Zeit der Pubertät. Lehr- und Lehrbuchinhalte haben sich an der Lebenswelt von Mehrheiten zu orientieren, nicht an der von Minderheiten. Gesellschaftspolitische Umerziehungsmaßnahmen wie „GenderMainstreaming“ lehnen wir ebenso ab wie scheinbar geschlechterneutrale Bezeichnungen („zuFußGehende“ statt „Fußgänger“ oder „Lehrkraft“ statt „Lehrer“). Damit wird – ideologisch motiviert – das grammatische Geschlecht mit dem biologischen gleichgestellt. Insbesondere ist einer indoktrinären Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen durch LGBT-Lehrplaninhalte entgegenzuwirken.

(Hervorhebungen von mir)

Eines muss man denen lassen: In einem Absatz »ideologisch motivierte«, »indoktrinäre« Bildung zu verurteilen und gleichzeitig alles aus den Lehrplänen verbannen zu wollen, was die Lebenswirklichkeiten von Minderheiten betrifft, das erfordert schon sehr viel Selbstbeherrschung um nicht mit den Kopf wiederholt auf die Tischplatte zu donnern.

Wer immer noch Zweifel hat, wie weit rechts die AfD steht, kann sich das Pamphlet ja selbst mal anschauen – speziell die Abschnitte IV.2 – Integration:

  • »Keine Unterstützung für Integrationsfolklore«,
  • Bedingungen für Zuwanderer unter Hartz-4 Niveau (»Besserstellung ist grundsätzlich auszuschließen«)
  • »Volksabstimmungen über Moscheebauten mit Minaretten«

und IV.3 – Identität. Soviel Bullshit, wie in diesem Abschnitt zusammen geschrieben wurde, habe ich selten gelesen.

Eine gefestigte Landesidentität garantiert Leistungs- und auch Opferbereitschaft, Gesetzestreue und Solidarität, Toleranz
und Stabilität.

Ich fürchte fast, das glauben die wirklich. Eine »gefestigte Landesidentität« zeichnet sich gerade durch Unterschiede gegenüber Fremden aus, denen ich damit besondere Bedeutung zumesse. Inwiefern garantiert das Toleranz? Aber wieso komme ich hier überhaupt mit Argumenten?

»Das Absingen der Nationalhymne bei feierlichen Anlässen soll wie in den USA selbstverständlich sein.«

Das fordert von Zeit zu Zeit auch mal ein CDU Hinterbänkler. Apropos CDU, die schließt Koalitionsgespräche mit der AfD nicht aus.  Auf Stadtebene ist man da schon einen Schritt weiter. Prost Mahlzeit.

Einen hab ich noch:

verpflichtende-sprachkurzeWenn das ganze nicht so traurig wäre, wäre es tatsächlich zum Lachen.

Nachtrag:

Etwas ausführlicherer Lesestoff, der beschreibt, dass die AfD rechtsradikal ist:

http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/8835-das-rechtsradikale-gesicht-der-afd

http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/8867-die-luegenwelt-der-afd-und-ihre-folgen

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