Bigotterie

Mit bedeutungsschwangerer Mine erzählt mir die Sprecherin des ARD Mittagsmagazins, man dürfe die Geschehnisse von Paris nicht mit der Flüchtlingsthematik in Verbindung bringen. Sie erzählt dies in einer Anmoderation für einen Beitrag, der – Überraschung – die Flüchtlingsthematik mit den Geschehnissen in Paris in Verbindung bringt. Der Beitrag dreht sich um eine handvoll Personen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Sie sind sichtlich erleichtert, hier in Sicherheit zu sein. Es wird gezeigt, wie sie versuchen sich selbst Deutsch bei zu bringen und versuchen ihren Alltag zu meistern. Ganz selbstverständliche Dinge.

Ich sehe weiter, wie diese Menschen sich in vorauseilendem Gehorsam von den Geschehnissen in Paris distanzieren. Ganz so, als würden die Deutschen das jetzt erwarten. Ganz so, als hätten sie irgendwas damit zu tun gehabt oder hätten es irgendwie verhindern können, nur weil sie Muslime sind. Der Beitrag des ARD-Mittagsmagazin geht noch einen Schritt weiter und lässt die Personen vor der Kamera Stellung zu Themen nehmen, die wir, die Guten™, uns so gerne ans Revers heften. Themen wie die Gleichberechtigung der Frauen, Meinungsfreiheit und nicht zuletzt Homosexualität. Spin: »Schaut her, das sind gar nicht alles unzivilisierte Wilde! Die wollen sich ja integrieren.«

Halt, Moment: Homosexualität? Jenes Thema, gegen welches der Michel im Südwesten Sturm läuft, wenn es im Schulunterricht Erwähnung finden soll? Den Gipfel der Frechheit markiert schließlich der Punkt, an dem der Beitrag den Befragten suggeriert, in Deutschland könnten »Frauen Frauen und Männer Männer heiraten«. Ist das diese Integration? Den Migranten Maßstäbe auferlegen, die wir selbst sonntags und bei gutem Wetter locker reißen?

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