Zu Besuch in Dresden

Unser Kurzurlaub in Dresden startete gestern für mich außerplanmäßig etwas früher. Am Morgen ging es mit dem IC von Hamburg nach Bremen und von dort mit Freunden zusammen im Auto nach Dresden. Mit der Bahn reist es sich selten so entspannt wie zu Zeiten, da die Lockführer streiken. Dafür befand sich halb Deutschland auf den Autobahnen. Und als ob das nicht schon genug verlangt wäre wurden wir, im Sendegebiet des gebührenfinanzierten Idiotensenders der genau so heißt wie ein Song von Van Halen, angelangt, von eben diesem mit dem neusten Machwerk von Sarah Connor belästigt. Danke MDR!

Egal, Wetter schön, Großeltern besucht, mit Freunden für heute verabredet, so kann der Urlaub los gehen.

Heute morgen erfahre ich auf Twitter, das irgendwer ein paar Meter Elberadweg auf der Neustädter Seite aufgerissen hat. Dummes Versehen offenbar, kann ja mal vorkommen. Ich belese mich kurz über die Hintergründe und …

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Meine Meinung zu »Marina Garden« (Symbolbild)

Investoren

Ein paar neue Nobel-Wohnklötze im modern-uniformen Gentrifizierungsstil sollen direkt am Elbufer gebaut werden. Klientel vermutlich vom Typ »Schatz fahr doch den Cayenne eben in die Tiefgarage, ich geh mit den Kindern noch kurz an den Marmorsäulen spielen.« Die »Homepaitsch« lässt zumindest darauf schließen und wirkt auch sonst eher, als habe die Architektin zu viel Geld und/oder Langeweile. »Hafencity« ist der Spitznahme des Projekts. Klappt in Hamburg ja auch prima. Dresden braucht sowas auch, ist schließlich ’ne weltoffene Stadt. Hrr, Hrr.

Mir fällt auf, dass Frau Architektin überwiegend als »Investorin« bezeichnet wird. Und wo Investoren sind, da sind CDU/FDP natürlich nicht weit. Investoren schaffen Arbeitsplätze. Hundertpro! Wo die Statisten dann wohnen, für die diese Plätze gezwungenermaßen ausfüllen werden fragt ihr? Ich weiß, wo sie sicher nicht wohnen werden …

Überhaupt, »Investoren«. Wieso werden die so als Wohltäter hofiert? Investieren ihre Kohle mit dem einzigen Ziel, am Ende noch mehr davon zu haben. Das geht in unseren Tagen mit »Premium«-Immobilien halt besonders gut, weil anderswo die Profitraten zu gering oder das Risiko noch viel höher ist. Apropos Risiko, wann war eigentlich das letzte »Jahrhunderhochwasser«?

Zum Glück besteht die aktuelle Stadtradtsmehrheit nicht aus solchen, die sich gern mit »Investoren« ablichten lassen. Und irgenwie kam es dann unter ganz dummen Umständen dazu, dass man schon mal vorsorglich den Elberadweg aufreißt. Der Fairness halber erwähne ich hier noch, dass ich über einen Beitrag bei Facebook von Frau Investorin gestolpert bin, in dem sie das Missverständnis bedauert und die geschätzten 15 Riesen für die Sanierung zahlt.

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In Berlin werden um solche Wohnanlagen inzwischen 2,5 m hohe, massive Eisenzäune gebaut. Inklusive Pförtner (Arbeitsplätze!) an den Toren. Sollte das auch einmal bei Marina Garden anstehen, kann man den Elberadweg sicher außen herum bauen. Ein Investor dafür dürfte auch schnell gefunden sein: die Stadtkasse.

 

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