Kaufen, Marsch Marsch!

Eines der Grundlegenden Prinzipien unserer Gesellschaft ist die Idee, dass sich Geld von alleine vermehren muss. Darunter geht nichts, darunter ist Stillstand. Mehr noch, darunter ist Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Sagt man. So muss es sein, anders kann ich mir das Geseier, das zum Beispiel täglich gegen eins aus dem Radio in Form der »Wirtschaft am Mittag« (Deutschlandfunk) trieft, nicht erklären.

Ein Beispiel hierzu: kapitalgedeckte Altersvorsorge, oder auch private Altersvorsorge (»Privat« hier nicht im Sinne von »geht keinen was an« sondern »davon profitieren nur wenige«). Der durchschnittliche Angestellte muss, will er im Alter nicht jeden Cent dreimal umdrehen, einen Teil seines monatlichen Geldes (so er denn noch etwas übrig hat) einer Versicherungsgesellschaft geben, die dieses Geld dann an den Märkten® investiert®. Er tut dies in der Hoffnung, dass eben diese Versicherungsgesellschaft in vierzig Jahren immer noch existiert und dann über genügend Geld verfügt, wovon sie ihm seinen Teil zurück geben kann. Dem Angestellten wird es in der Regel egal sein, wie die Versicherungsgesellschaft den Profit erwirtschaftet mit dem sie die Inflation ausgleicht, ihre Ausgaben deckt (zu denen in vierzig Jahren auch seine eigenen Bezüge gehören werden[1]) und ihre Herren mit ausreichend Profit zu Diensten ist. Denn ja, auch die Versicherungsgesellschaft ist eben das: privat und dient selbst als Anlagemöglichkeit®.

Deshalb wird sie natürlich alles versuchen, das Geld so effektiv wie möglich zu vermehren, um im allgegenwärtigen Konkurrenzkampf zu bestehen. Geschäftsbelebend, wird dieses genannt. Es ist dabei nicht mal unwahrscheinlich, dass sie an den Märkten® beim Arbeitgeber® des Angestellten investiert®, also Geld gibt nur um später mehr Geld zu nehmen. Wer dieses Mehr an Geld erarbeitet, fragt ihr? Nun, im Prinzip steckt der Angestellte einen Teil seines Lohns® von der linken in die zukünftige rechte Tasche, was an sich ja keine schlechte Idee wäre, doch hier kommt das »Privat« ins Spiel. Bei jedem mal, dass er etwas Geld von der linken in die rechte Tasche steckt, bleibt ein nicht unerheblicher Teil bei der Versicherungsgesellschaft hängen, denn auch dieser muss ja Profit erwirtschaften®. Also erarbeiten lassen.

Klingt nach einem Perpetuum Mobile, wovon wir wissen, dass es physikalisch unmöglich ist. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es sich um eine gut geölte Maschine handelt die läuft wie ein Schweizer Uhrwerk und deren Krafteintrag einzig vom Angestellten kommt. Dieser reicht immerhin aus, einige Menschen auf diesem Planeten sehr Wohlhabend zu machen und theoretisch genügend Ressourcen nutzbar zu machen, um die 7 Milliarden Menschen auf dem Planeten versorgen könnten.

Von überall brüllt es mich an: »Hier, nimm doch mal einen Kredit auf!«, »hol dir ›dein Geld‹ bei XMoney.de«, irgend einem bekloppten Startup das Geld damit verdienen will, Geld bei A einzusammeln um damit B in die Schulden zu treiben und letztlich für sich arbeiten zu lassen. Bank of Scottland hier, ING Diba da, überall locken sie mit Niedrigstzinsen, weil die Geldsäcke nicht mehr wissen, wohin mit ihren wertlosen Vermögen, die eben nur noch dazu taugen, vermehrt zu werden aber zu nichts mehr sonst. Man stelle sich mal vor, die zehntausend reichsten Pissköppe der Welt würden anfangen ihre Milliarden und  Abermilliarden plötzlich im großen Stil auszugeben. Wofür eigentlich? Nach der zwanzigsten Jacht und der fünften Gulfstream vielleicht für Immobilien? Die Preise würden durch die Decke… oh halt, warte.

Nein, so klug sind sie, dass sie sich mit den Nahrungsmittelspekulationen so lange zurück halten, bis eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut ist, die auch größere Ansammlung dann Hungernder langfristig in Schach halten kann. Hey, lasst uns doch als nächstes die Sicherheitsorgane privatisieren. Bei der DB-Sicherheit klappt das doch schon ganz hervorragend. Das schafft Arbeitsplätze und Wachstum! Jeder weiß doch, dass der Staat nicht mit Geld umgehen kann, hat man ja an der Altersvorsorge gesehen. Und sieht man jetzt wieder eindeutig an der Situation der Polizeien hier im Land. So gesehen war auch nicht alles schlecht an Köln.

Dort wo die Korruption inzwischen so tief verwurzelt ist, dass man immer einen Despoten findet, der willens ist sein eigenes Volk zu versklaven wenn man man nur mit ausreichend viel Geldscheinen wedelt, braucht man sich mit den Spekulationen auch nicht mehr zurück halten. Damit die Bevölkerung nicht auf dumme Gedanken kommt (und wir unsere Absatzmärkte fürs Wachstum sichern) gießt man hie und da noch etwas Öl ins Feuer regionaler Konflikte oder zettelt sie gleich selbst an. Gut dass wir die NATO nach dem Krieg nicht aufgelöst haben. Wer hätte gedacht, dass die noch mal zu was gut ist? Das hat den positiven Nebeneffekt dass wir der heimischen Rüstungsindustrie die Auftragsbücher für die nächsten Jahrzehnte voll schreiben und für Wachstum sorgen. Ganz nebenbei. In das Wachstum kann Kollege Angestellter gleich seine Altersvorsorge investieren.

Dem ist es ohnehin egal, wo sein bisschen vom Mammon herkommt, so lange überhaupt noch was kommt. Eine Wahl hat er ja auch nicht wirklich. Aber ich wiederhole mich.

Was macht unser Angestellter eigentlich mit dem Kredit von FistMoney.com? Kauft sich einen noch größeren Flatscreen und das passende, mittlerweile fünfzehnte Smartphone in 4 Jahren im nächsten Ich-bin-blöd-Markt, der damit sein Umsatz steigert und Wachstum generiert, aus dem der Angestellt später seine »Rente« bezieht. ARGH!

[1]: Die Ehrenrunde zur gängigen Praxis der Profitmaximierung durch Senkung der Ausgaben habe ich mir hier gespart.

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