Unser Frauenbild

In den Werbeblöcken der privaten TV-Sender, die nur noch selten von kurzen Filmausschnitten unterbrochen werden, läuft zur Zeit wieder mal ein Spot der einen Verhütungscomputer bewerben will. Zu sehen ist ein Vollidiot, der gönnerhaft ausposaunt, dass nach vier Jahren Beziehung mal ein anderes Verhütungsmittel dran wäre. Ein Computer, der »so zwei Hormone« im Urin misst und die Welt in Grün und Rot unterteilt. Total einfach. Grüner Tag heißt, geringes Risiko schwanger zu werden. Roter Tag heißt:

Roter Tag? Ich geh angeln!

Wenn die Alte nicht zum ficken taugt, mach ich halt was anderes.


Mit seltsamer Penetranz versuchen seit einiger Zeit die gleichen privaten Sender ihren Mist in HD unters sedierte Volk zu bringen. Vermutlich um bloß keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dafür gibt man sogar Geld für einen eigenen Spot aus dessen Niveau irgendwo unter dem Teppich herum kraucht.

Zu sehen ist ein perverser Typ, dessen »scharfe Kiste« (ein Lamborghini) ihm mit verschmierten Scheiben nichts bringt. Was ich jetzt bräuchte, sei etwas richtig scharfes: drei Playmates die halb nackt und mit viel Schaum des Perversen grünes Geschoss wienern.

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Screenshot youtube.de

Im oben verlinkten Video schließt an die TV-Fassung noch ein Making-of an, dass mit einer dieser typischen Porno-Brummbär-Stimmen aus dem Off eingeleitet wird:

Fernsehn kann so richtig scharf sein. Doch selbst das geilste Gerät bringt ja nicht automatisch Full-HD mit.

Während der Sprecher diese Worte notgeil-lüstern hauchend, das »geilste« subtil betonend von sich gibt, wackeln die Körper der Frauen in Zeitlupe und Nahaufnahme durchs Bild. Aber das ist bestimmt nur dummer Zufall, ungünstig geschnitten; schließlich geht es hier doch um, äh… HD.


Wann startet eigentlich die nächste Staffel von »Germany’s next top model«?


So what, sex sells. Was ficht mich das alles an? Nun, es muss wohl dieses, unser Frauenbild sein, welches einige besorgte Beitragende in der Debatte nach den Ereignissen in Köln hoch halten. Der Araber solle sich doch bitte unsere Werte und unser Frauenbild annehmen, wenn er hier leben will.

So gehört heute Vormittag im Deutschlandfunk. Ein Anrufer vom Typ ich-bin-kein-Nazi-aber…  aberte in die Welt hinaus, dass solche, die unser Frauenbild nicht akzeptieren würden hier nichts verloren hätten. Schockierend war dabei nicht die Aussage selbst, die hört man dieser Tage zur genüge, sondern dass es nicht so klang als hätte er Schaum vorm Mund. Verständlich artikuliert, sehr darauf bedacht zu betonen nichts mit dem »rechten Rand, Pegida, AFD und ähnliches« zu tun zu haben. Gebildete Mittelschicht würde man meinen. Es zeigt sich mal wieder, dass rassistische Vorurteile quer durch alle Bevölkerungsschichten anzutreffen sind. Die Menge der verkappten Rassisten scheint in letzter Zeit zuzunehmen und ist vermutlich höher, als uns lieb sein kann.

Nachtrag:

Offenbar gibt es ein Jugendportal aus dem Hause Springer: celepedia.de. Dieses gibt jungen Frauen Verhaltenstipps für das erste Mal: »So kannst Du ihm vortäuschen, keine Jungfrau mehr zu sein«. Ohne Worte.

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