Wildbad Kreuth

Wie zu Beginn eines jeden Jahres geistert auch dieser Tage wieder der Name jener geheimnisvollen Ortschaft im tiefsten Bayern durch die Medien, da sich die CSU ein weiteres Mal zur Klausur trifft: Wildbad Kreuth. Eine Ortschaft, die außerhalb Bayerns wohl sonst keiner Menschenseele bekannt wäre, sich aber so wunderbar aussprechen lässt. Wildbad Kreuth. Die Wonne lässt sich beinahe erhören, mit der die Radiosprecher Land auf Land ab diesen scheinbar magischen Ortsnamen aussprechen: Wildbad Kreuth.

Am besten gelingt dies dem feinen Herren des Deutschlandfunks, dessen Mühe, präzises Hochdeutsch zu sprechen nur von dem leicht nachrollendem »R« nicht gänzlich belohnt wird, wie es im Fränkischen nicht ungewöhnlich ist. »Wildbad Kreuth«, sagt er; das erste Wort mit einem sanften aber bestimmten D ausklingen lassend um mit einem gleichsam zarten K das zweite Wort einzuleiten. Kein K welches man tief im Rachen zu scheppern beginnen lässt, sondern ein K das mit Unterstützung der Zunge und des Gaumens sanft zum Hallen gebracht wird. Kein K wie in Kotzen oder Kacke, sondern ein Königs-K, wobei man ein schwülstig überbetontes Ö darauf folgen ließe. Ganz wunderbar fügt sich ein fränkisch rollendes R an dieses K an. Wie jedes wohlkomponierte Musikteil einen nicht gar so aufregenden Mittelteil braucht, um die Hörer nicht zu verlieren, so wird dem Eu nicht allzuviel Beachtung geschenkt. Schon gar nicht darf es zu sehr betont werden. Es schwingt, dem Ä zum verwechseln ähnlich, leicht mit. Nicht unerheblich für den optimalen Klang dieses Ortes ist das Th am Ende, schließlich ist hier nicht die Rede von Wildbad Kreut. Dem unbedeutenden Nachbar des Ts, dem H, dem sonst keine weitere Bedeutung zukommt (Theodor, Taube, das spricht sich gleich), wird in diesem Fall ungewöhnliche Aufmerksamkeit zu Teil. So klingt das Wort aus mit einem T, auf das ein angestrengter Nachhauch folgt um zu bekräftigen, hierbei handle es sich eben um Wildbad Kreuth.

Ist der geneigte Zuhörer erst einmal von der glänzenden Schönheit dieses Klangs vereinnahmt, so ist seine Aufmerksamkeit für Fachliches deutlich Beeinträchtigt. Wie kann es ihm dann noch auffallen, dass die Christlich-Soziale Union, jene Alternativlose für Bayern, zwar fordert, Flüchtlinge auf zweihunderttausenden Menschen jedes Jahr zu »begrenzen« aber nicht sagt, was mit den überbleibenden Menschen geschehen soll, die darüber hinaus zu uns kommen auf der Suche nach Schutz. Vielleicht stimmt es den Hörer auch nicht stutzig, dass es allen Forderungen der Christlich-Sozialen Union an Barmherzigkeit mangelt, jener Tugend, die doch so bezeichnend für ein christlich geprägtes Verhalten wäre.

Inzwischen ist der Radiosprecher schon zum nächsten Thema fortgefahren und wird auch in einer halben Stunde wieder von Wildbad Kreuth berichten. Uns sicher wird er das auch die nächsten Tage mit dem gleichen Engagement und der gleichen Hingabe tun:

Die CSU hat auf ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth

 

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