Vorjohann will Gentrifizierung auch in Dresden vorantreiben

In einem Interview, dass Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann der Sächsischen Zeitung gab, stellt er die Behauptung auf, die Mieten in Dresden seien zu niedrig und fordert, diese sollen steigen. Das verwundert nicht, denn Herr Vorjohann war vor sechs Jahren einer der brennenden Verfechter für einen Verkauf der damaligen WoBa an Fortress und wurde nicht müde zu argumentieren, dass die Mieten keinesfalls steigen würden, denn man habe ja a) die Sozialcharta, mit der man einen Finanzinvestor ein soziales Gewissen verpflichtend auferlegen würde und b) die Regeln des Marktes, die die Mieten an der Nachfrage und damit am allgemeinen Durchschnitt orientieren lassen würden. Das er damals im Aufsichtsrat der GAGFAH saß, hatte damit bestimmt nichts zu tun.

Es passt also ins Bild, dass er jetzt die Zeit der »Förderprogramme« für Beendet erklärt und bemerkt, dass auch die Anbieter der Wohnungen »überleben« müssen. Darüber hinaus entlarvt er schließlich selbst, worum es bei Argument b) eigentlich – nämlich nicht um bezahlbaren Wohnraum, sondern um die schutzlose Vermarktung dessen.

Nur höhere Mieten können die Qualität und Attraktivität der Dresdner Wohnungen sichern.

Darum geht es also. Dresden soll bitteschön eine auf Hochglanz polierte Vorzeigemetropole sein, und nur wer es sich leisten kann nicht in unsanierten Plattenbauten zu wohnen, ist hier gern gesehen.

Herr Vorjohann, ich bitte Sie, schauen sie sich z.B. den Berliner Wohnungsmarkt an, lernen sie daraus und dann kümmern Sie sich bitte um ihr Ressort (die Finanzen der Stadt) oder von mir aus um die Privatwirtschaft.

 

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