Gott erhalte Franz, den Kaiser!

Irgend ein CDU-Hinterbänkler fordert gerade, dass die Nationalhymne im Schulunterricht häufiger gesungen wird. Was eigentlich nur von Vorteil sein kann, nämlich dass die Bedeutung dieser Hymne in der Bevölkerung sinkt, findet er bedauerlich.

Die Nationalhymne ist – wir erinnern uns – eigentlich die dritte Strophe des »Lieds der Deutschen« das mit dem Vers beginnt: »Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt« der zum Ende der ersten Strophe noch einmal wiederholt wird. Über die – wie er findet – »umstrittene« Textzeile, könne man ja diskutieren. (Ich habe beschlossen, mich über sowas nicht mehr aufzuregen.) Und weiter geht’s im Text:

Von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt

Großdeutschland wird heute noch in rechtsextremistischen Gruppierungen hinterher getrauert. Auf dieses Deutschland bezieht sich logischer Weise auch die zweite (und die dritte) Strophe in der von »Deutschen Frauen« und »Deutschem Wein« die Rede ist.

Was übrig geblieben (weil am wenigsten verfänglich) ist, wird heute zu der Melodie der Kaiserhymne »Gott erhalte Franz, den Kaiser« gesungen und fordert Einigkeit, Recht und Freiheit. An sich noble Ziele, aber warum zum Geier nur für das »Deutsche Vaterland« und nicht für die Menschen darin? Oder besser: für alle Menschen? In den vier Generationen, aus denen ich Menschen kennenlernen durfte, hat sich die geografische und politische Definition »Deutschlands« dreimal geändert. Und damit auch das, was als Nationalhymne vorgesetzt wurde. Das ganze hat also eher mit der politischen Großwetterlage als mit Herkunft oder Identität zu tun.

Das größte Problem solcher Nationalsymbole ist aber, dass sie ausgrenzen. Sie suchen Unterschiede, wo eigentlich keine sein dürften, sie werten das Eigene auf und damit gleichzeitig das Fremde ab. Und dann wundern sich solche Leute von der CDU, dass es Menschen gibt, die dieses Lied nicht mitsingen, weil es sie selbst ausschließen würde.

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