Sexism sells

Das wird der vorerst letzte Beitrag meinerseits zum Thema »Sexisums« sein, oder zu dem, was einige darunter zu verstehen meinen.

Keine zwei Tage nachdem man genüsslich auf die Thomann-Werbekampagne eingeprügelt hatte, folgte schon der nächste Aufreger: die Lufthansa schreibt einen Brief an ihre männlichen Kunden, in dem eine Frau ihren Mann um die Partnerkarte bittet. Das ganze ist in einem Ton formuliert, wie ihn vielleicht frisch Verliebte in einem Brief an den Partner anschlagen würden. Oder, wie Anatol Stefanowitsch findet, in den »50er Jahren hängen« geblieben. Dabei jagt eine Unterstellung die nächste: (Hervorhebung von mir)

Dabei hast du immer wieder ein gutes Gespür dafür, wie du mir eine Freude machen kannst.

Er, ganz der Lady’s Man, weiß, wie er ihr eine Freude machen kann (und das ist nur gut, denn sie kann sich ihre Wünsche ja nicht selbst erfüllen).

In einer Anwaltsserie würde man an dieser Stelle das obligatorische »Einspruch – Mutmaßung« erwarten. Tatsächlich steht mit keiner Silbe im Brief, dass sie irgendetwas nicht kann. Im Folgenden wird der Brief die Werbung haarklein zerlegt. Der dann folgende Versuch einen Shitstorm loszutreten wirkt da schon fast etwas ungelenk.

In diesem Zusammenhang habe ich heute übrigens noch einmal versucht, mich an einer sachlichen Diskussion zum Thema zu beteiligen. Damit habe ich offenbar wieder einen Nerv getroffen:

Es gibt aber auch Frauen, die sich über so eine Werbekampagne aufregen. Es kommt wie zu erwarten war, der Shitstorm hat um sich gegriffen und die Sache ist von den klassischen Medien aufgegriffen worden.

Ich weiß zwar nicht was Herr Stefanowitsch und Co. erreichen wollten, aber bei der Werbeagentur die für dieses Machwerk verantwortlich ist, reibt man sich sicher die Hände. Wenn es das Ziel war »Sexismus« in Werbekampagnen zukünfig zu verhindern, dürfte man das ganze Gegenteil erreicht haben, hat man doch für wesentlich mehr Aufmerksamket gesorgt als dieses Schreiben je hätten erreichen können und sich damit zum Erfüllungsgehilfen degradiert. Wenn »struktureller« und »unterbewusster Sexismus« tatsächlich noch so verbreitet sind, dann müsste der Nutzen für Lufthansa den Schaden bei weitem überwiegen. Glückwunsch.

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