Stoische Inkonsequenz

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr dazu äußern, was machnerorts für Sexismus gehalten wird. Jetzt tangiert dieser Blogartikel doch irgendwie mein Fachgebiet und wirft bei mir viele Fragen auf. Stein des Anstoßes ist die Tatsache, dass in einer Ausgabe des PHP-Magazins nur Artikel von Männern veröffentlicht wurden.

Aus diesem schlichten Fakt leitet die Autorin die »Tatsache« ab, dass die Redaktion nur Männern Expertise und Fachjournalismus zutraut, und unterstellt damit implizit Sexismus. Explizit wird das nicht erwähnt, genauso wenig wie konkrete Erwartungen an das PHP-Magazin:

[…] nachdem ich das damals aktuelle PHPmagazin entnervt in die Ecke gefeuert hatte, weil in der Ausgabe exakt kein Artikel von einer Fachfrau* geschrieben worden war.

»Wozu«, möchte ich fragen, »ließt sie das PHP Magazin eigentlich?« Um sich fachlich zu informieren? Wohl kaum, denn dann wäre ihr das Geschlecht eines Autors egal. Zumindest sollte man das annehmen, denn das Geschlecht sagt rein gar nichts über die fachliche Kompetenz eines Menschen aus. Soweit dürften wir uns einig sein.

Ich frage mich, warum ausgerechnet ich, als Frau*, da gewissermaßen einen Anfang machen soll…

Ganz einfach: Wenn mich etwas am status quo stört, habe ich drei Möglichkeiten. Ich kann mich damit abfinden und nichts tun, ich kann mich drüber aufregen und Andere beschuldigen, oder ich kann die Initiative ergreifen und selbst aktiv werden. Unglücklicherweise ist die erfolgversprechendste dieser Methoden meistens auch die anstrengenste.

Der Autorin fehlen »Strukturen« in dem »männlich dominierten Pott« PHP-Magazin, die ihr einen Anreiz geben, einen Artikel einzureichen. Womit ich wieder bei der Frage nach der Erwartungshaltung an das Magazin, bzw. ihrem Artikel darin, bin. Wissen vermitteln? Die eigene Reputation steigern? Was hätte das mit dem Geschlechterverhältnis in dem Magazin zu tun?

Die Schuld für ihr Problem mit den Fachmagazinen findet die Autorin dann bei den Magazinen und fordert, dass »sie klare Signale und Zeichen setzen, dass sie ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und Awareness im Bezug auf *istische Strukturen etablieren möchten.«

Es ist nun einmal eine Vorraussetzung für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei den veröffentlichten Artikeln, das auch ein ausgeglichenes Verhältnis bei den eingereichten Beiträgen besteht. Alles andere wäre eine Benachteiligung/Bevorzugung des jeweils anderen Geschlechts, also Sexismus. Konsequenterweise müsste sie nach dieser Aussage (»*istische Strukturen«) den Fachmagazinen auch Rassismus vorwerfen, müsste doch allein aus statistischen Gesichtspunkten der Anteil schwarzer Autoren vergleichsweise gering sein. Wie diese Strukturen aussehen sollen, darüber lässt mich die Autorin im Unklaren. Sie wartet lieber, bis das Henne-Ei-Problem gelöst ist:

So lange halte ich es mit dem “Stricken” so, wie wenn ich vor Räumen stehe, in denen sich nur Männer* aufhalten: ich gehe nicht hinein. So lange “stricke” ich auch nicht für euch, lasse mich aber gerne umstimmen, wenn die Bedingungen stimmen.

(Anmerkung: »Stricken« steht hier im weiteren Sinne für professionelle Arbeit im IT-Bereich) Sie denkt also, sie würde Artikel für »uns« (Männer) schreiben? Ist das das Selbstverständnis einer Feministin?

Warum schreibe ich das hier? Zum einen versuche ich immer noch, die Begriffe Feminismus/Sexismus in der heutigen Zeit für mich zu umreißen. In der Form des oben betrachteten Artikels hat das für mich aber weniger mit Gleichberechtigung zu tun, als mit der unbeirrten Suche nach dem eigenen Vorteil um jeden Preis.

Zum anderen, weil ich es irgendwo schreiben muss. Ein Kommentar hätte es sicher auch getan, nur will man in diesem Blog nicht darüber Diskutieren. Das zeigt auch das Tage später veröffentlichte Bullshit-Bingo, in dem Argumente mit Nonsens über einen Kamm geschoren werden um sich ihnen nicht stellen zu müssen. Schönstes Beispiel:

Ich bin auch Informatiker [sic!] und kann keine Diskriminierung von Frauen bei uns feststellen.

Dem »sic« entnehme ich, dass es sich um die Aussage einer Frau handeln soll. In der Welt der Femgeeks ist es undenkbar, dass eine Frau das generische Maskulin verwendet.

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