Dresdner Straßenmusik

In Dresden soll Straßenmusik und Straßenkunst künftig genehmigungs- und kostenpflichtig sein. Wer »tatsächlich beabsichtigt« Straßenmusik oder Straßenkunst »auszuüben«, der kann muss dies in Zukunft jeden Montag zwischen 8:30 und 10:00 Uhr im Straßen- und Tiefbauamt für die »laufende Kalenderwoche« genehmigen lassen. Kosten: 25€. Weitere Auflagen: zusätzliche Gebühren, wenn CDs verkauft werden, stündlicher Standortwechsel.

Das letzte mal, dass ich mich explizit an Straßenmusik erinnern kann war vor ein paar Wochen beim Sonntagsspaziergang durch die Altstadt. Eine handvoll junger Leute spielte mit Cajón, E-Gitarre und Bass auf der großen Treppe zur Brühlschen Terrasse. Nach den neuen Bestimmungen in Zukunft unmöglich: Sonntag ist Ruhetag und Verbot von Verstärkern und schlagzeugähnlichen Rhythmusinstrumenten.

Auch »Posaunen und Trompeten« sind explizit verboten. (Ich vermute mal, man wollte Blechblasinstrumente verbieten, denn nach dieser Formulierung müsste man die Genehmigung für ein Horn durchsetzen können. Warum aber ein Horn erlaubt ist und eine Posaune oder Trompete nicht, darüber kann man nur spekulieren.) Mit diesem Verbot darf auch das Blechblasquartett aus St.Petersburg nicht mehr auftreten (welches ich leider schon lange nicht mehr gehört habe). Diese vier Musiker haben immer wunderbare Stücke gespielt und  entsprechend groß war das Interesse der Passanten.

Theoretisch fiele auch das »Universal Druckluft Orchester« unter diese Verbote (Verstärker, Schlagzeug). Schade.

Erlaubt ist Straßenmusik nur noch Werktags in den Zeiten von 11:30 – 12:00, 12:30 – 13:00, 16:30 – 17:00, 17:30 – 18:00, 18:30 – 19:00 und 19:30 – 20:00 Uhr. Oder wie im Infoblatt formuliert

Zeiträume zum Musizieren
11.30 bis 20 Uhr

  • jeweils von der halben zur vollen Stunde
  • Ruhepause: 13 bis 15 Uhr

Vom Tag bleiben also 3,5 Stunden. Stadtfest und Vorweihnachtszeit sind fortan auch Tabu. (Einen polemischen Kommentar über Populärmusik, Bühnen und Biertischbänke verkneife ich mir an dieser Stelle.)

Begründet werden diese Maßnahmen damit, dass die Straßenmusik in den vergangenen Jahren »stark zugenommen« haben soll. (Gibt es hierfür belegbare Zahlen?) Damit einhergehend sollen auch die Anzahl der Beschwerden gestiegen sein.

Allerdings haben auch die Beschwerden der Anwohner, von ortsansässigen Gewerbetreibenden und Touristen, die sich zunehmend belästigt fühlten, stark zugenommen.

Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich Touristen beim Einkaufbummel von ein paar Straßenmusikern derart belästigt fühlen könnten, dass sie sich beschweren. Auch ist mir unerklärlich wie man sich von einer Statue belästigt fühlen kann (Straßenkunst).

Die Maßnahmen wirken eher so, als wollte die Stadt hier die Hand aufhalten anstatt den Konflikt zwischen Anliegern und Straßenkünstlern zu entschärfen. Dafür hätte es einfach ein paar unbürokratischen Regeln gebraucht:

  • Mittagsruhe (und evtl. Spielzeiten) einhalten
  • regelmäßiger Standortwechsel nach spätestens einer Stunde

Fertig. Fragen die bei der jetzigen Regelung offen bleiben: Warum sollen gerade Künstler, die das Geld und die Zeit haben, die Anträge zu stellen weniger »stören«, als solche die das nicht können? Warum ist das Spielen auf der Brühlschen Terrasse in Zukunft nicht mehr erlaubt?

Es gibt eine Petition, die man unterschreiben kann. Auch wenn die Formulierung in meinen Augen etwas unglücklich ist, hilft es vielleicht wenigstens, das Problem etwas mehr in den Fokus einer öffentlichen Debatte zu rücken: https://www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-anmeldepflicht-gegen-gebuehr-fuer-strassenmusik-in-dresden

Nachtrag 16:20 Uhr

Das ist erfreulich, die Grüne Fraktion im Stadtrat twittert gerade, dass der Beschluss außer Kraft gesetzt wurde:

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