Weder hart noch fair, aber schwer zu ertragen

Prinzipiell halte ich die Rundfunkgebühren für gut und richtig. Ich möchte weder Arte noch Phoenix oder ZDF Neo missen. Aber dann gibt es auch Formate wie »hart aber fair«, bei dessen letzter Ausgabe man das verbrannte Geld förmlich riechen konnte.

Über den Anspruch und das Ziel der Sendung mit dem Titel »Die Supermarkt-Lüge – wie gut und fair kann günstig sein?« kann ich nur spekulieren. Nach den ersten 20 Minuten habe ich abgeschaltet, das unerträglich naive Geplapper hat bei mir den Eindruck erweckt, Ziel sei es, den Zuschauer für dumm zu verkaufen.

Als einer der ersten kam Vincent Klink (Sternekoch) mit seiner These »Qualität kostet Geld« zu Wort. Anstatt Argumente zu erörtern reicht der Moderator (Frank Plasberg) ihm eine eingeschweißte Packung geräucherten Schinken (~ 3,30€/200g Plasberg: »das ist nicht ganz billig«) zur Verkostung und – welch Überraschung – er befand den Schinken für gut. Was das jetzt für die eingangs gemachte Aussage bedeutet, wird nicht weiter diskutiert. Statt dessen tritt eine Frau Yvonne (»Ich bin vom Fach«) Willicks, ihres Zeichens Hauswirtschaftsmeisterin, energisch der Diskussion bei, während Herr Klink noch die Zutaten auf der Schinkenverpackung las. Ihre Kritik: an der Verpackung sei nicht zu erkennen, ob das Produkt eine gute Qualität hat oder eine schlechte. Im selben Atemzug bestätigt sie aber, dass man es probieren müsse und aus Erfahrung das Produkt beim nächsten mal wieder kauft oder eben nicht.

Die »Diskussion« plätschert weiter vor sich hin, es wird festgestellt, dass das Fleisch an der Theke das gleiche sei, wie in der eingeschweißten Verpackung, ohne weiter darauf einzugehen. Statt dessen wird heillos durcheinander geredet, was die Zuschauer im Studio ohne etwas verstanden haben zu können mit Applaus quittieren. Das ganze ist nur schwer erträglich.

Jetzt aber ist Frau »Und was soll ich sagen?« Willicks dran. Immer noch stehen ihr zu wenig Informationen auf der Verpackung: »Was heißt denn unter Schutzatmosphäre verpackt?« Da drängt sich mir die Frage auf, ob sie es denn hinsichtlich der Qualität deuten könnte, wenn es denn drauf stünde. Wahrscheinlich wäre sie erst dann zufrieden, wenn zu jedem Produkt ein komplettes Handbuch samt Jahresbericht des Herstellers mit verkauft würde.

Im nächsten Einspieler geht es um Louisiana Flusskrebse in einer blauen Verpackung auf der ein Krabbenkutter abgebildet ist. Das suggeriert angeblich »Nordseeidylle vom Feinsten«. Entsprechend groß muss also die Überraschung beim Verbraucher sein, wenn die gezüchteten Krabben weder aus »der Nordsee noch aus Louisiana (sic) kommen«, sondern aus China. Ja was denn nun? Signalisiert die Verpackung nun Nordsee oder schließt man fälschlicherweise von der Artenbezeichnung auf die Herkunft? Und wenn dem so ist, was macht der arme Verbraucher dann, wenn er sich einer Prinzenrolle gegenüber sieht? Laut Wikipedia ist Procambarus clarkii die meist meistgezüchtete Süßwasserkrebsart weltweit.

Wo aber das Problem liegt, dass die Tiere in China gezüchtet werden wird nicht mal ansatzweise erörtert. (Produktionsbedingungen, Transport, Lagerung, etc.) Statt dessen dreht Plasberg einem anwesenden Vertreter der Lebensmittelindustrie einen Strick daraus in dem er Fragt: »Würden Sie das Produkt auch kaufen, wenn darauf stehen würde ›Krebse aus Chinesischen Flüssen‹? […] Sie haben Kinder!«. Geht es eigentlich noch heuchlerischer? Eben noch wurden scheinbar suggestive Elemente auf Verpackungen angeprangert und jetzt malt der Moderator den verdreckten »chinesischen Fluss« an die Wand? Wie kommt er darauf, dass die Krebse gerade in Chinas Flüssen gezüchtet werden? Und warum sollte der Mississippi (Louisiana, dahin verortet der Verbraucher die Krebse ja angeblich) um so vieles sauberer sein?

Das ist mehr als ich ertragen kann und ich schalte ab. Wenn es das ist, was die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten heutzutage unter Bildungsauftrag verstehen, dann gute Nacht.

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