Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Die zurecht als rassistisch entlarvte Karikatur in der FAZ scheinen einige immer noch nicht richtig verstanden zu haben. Beim Lesen der Argumente drängt sich sogar die Frage auf, ob die Karikatur überhaupt richtig angesehen wurde.

(Ich hätte gern drüben auf dem Blog ein Kommentar hinterlassen, aber wordpress.com stellt mir dafür zu viel Hürden in den Weg.)

Dass Stefanolix den Artikel bei Trollbar – der ganz unaufgeregt erklärt, warum die Karikatur rassistisch ist – nicht verlinkt oder auf dessen Argumente eingeht, ist bestimmt nur dummer Zufall. Stattdessen werden Behauptungen aufgestellt, die mit der Karikatur nicht in Einklang zu bringen sind:

»Mit dieser Karikatur wird kein erkennbarer einzelner Mensch diskriminiert. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Zeichner das getan oder beabsichtigt haben.«

Stimmt, es wird eine ganze Gruppe von Menschen diskriminiert. Der Hinweis darauf findet sich in der Unterschrift der Karikatur die da lautet: »Deutschland profitiert von eingewanderten Fachkräften«. Man beachte den Plural. Der schwarze Medizinmann stellt hier also keine konkrete einzelne Person, sondern eine bestimmte Personengruppe dar.

Die Kernkompetenz dieser Gruppe liegt augenscheinlich auf den Gebräuchen von Medizinmännern aus Naturvölkern. (Maske, Schädelknochen, Tanz um ein Feuer) Selbst grundlegende Deutschkenntnisse werden den ausländischen Fachkräften abgesprochen.

»Praxis
Dr. Mbongo
VIELE HEILUNG
ALLE KASSE«

Ist auf dem Schild der Praxis zu lesen.

Dass diese Darstellung nicht rassistisch sein kann, begründet Stefanolix damit, dass die Verfasser aus der »engeren Umgebung« Frankfurts – ich vermute er meint Frankfurt am Main – kommen. Eine Stadt mit vergleichsweise hohem Anteil an ausländischen Fachkräften – die folglich zur Lebenswirklichkeit der Autoren gehörten. Dies ließe nur den Schluss zu, dass die Darstellung des Medizinmanns nicht als Herabwürdigung »qualifizierter schwarzer Ärzte« zu lesen sei.

Ein ausreichend hoher Anteil an Zuwanderern löst also alle rassistischen Vorbehalte in der einheimischen Bevölkerung auf? Lasse ich diesen Trugschluss für den Moment einmal zu, tritt das nächste Problem an Stefanolix Argumentation zu Tage: die weltoffene, liberale Gesinnung der Autoren spricht die Karikatur von jeglichen Rassismusvorwürfen frei. Nein, tut sie nicht. Es ist vollkommen unerheblich wie die Autoren ihre Karikatur gemeint haben, das Resultat steht für sich und ist als solches rassistisch.

Diese falsche Logik kommt in den Kommentaren von Stefanolix selbst noch mehrmals vor:

Genau darin liegt der Sinn der Karikatur aus Frankfurt, die in einer weltoffenen und geistig offenen Zeitung erschienen ist.

Und weil das so ist, darf die Karikatur nicht rassistisch sein? Ich frag mich wer hier durch eine gefärbte Brille schaut, die er denjenigen vorwirft, die den Rassismus in der Karikatur erkannt haben.

Seiner Meinung nach soll die Karikatur auf »rassistisch geprägte Ressentiments« aufmerksam machen, in dem sie sie »benennt, darstellt und kenntlich macht«. Die Antwort auf die Frage, wie sie das macht, bleibt er schuldig. Diese Frage ist auch nicht zu beantworten – sie schafft es nicht. Der deutsche Patient nämlich erkennt die Qualifikation ohne Vorurteile an (»Ach, Herr Doktor […]«) und ist froh, dass die Praxis wieder besetzt ist.

Die Stoßrichtung dieser Karikatur geht eindeutig gegen eine Minderheit (welche damit zum »Feind« dieser Satire wird), nicht gegen die Vorurteile in der Bevölkerung. Das ist der Kern des Problems an dieser Karikatur.

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