Bahnstreik

Sonntag Abend, die Liebste muss arbeiten. Könnte ich eigentlich auch, zu tun gäbe es reichlich, so recht kann ich mich aber nicht durchringen. Im Free-TV kommt nur Mist und Netflix braucht auch mal ne Pause. Ich lese mich auf meinem Lieblingsblog fest. Ich könnte auch mal wieder was schreiben.

Auf Twitter kündigt sich der nächste Streik der GDL an, diesmal eine ganze Woche. Gestern habe ich für Freitag ein Ticket gebucht. Das war nötig weil wir unsere Urlaubspläne für das kommende Wochenende über den Haufen schmeißen mussten. Der Chef der Liebsten hat gefragt, ob sie denn nicht etwas von ihrem Urlaub abgeben könnte, damit die Neue eingearbeitet werden kann. Egal, ich suche nach Alternativen zum Bahnticket und lese die Tweets zum #Bahnstreik. Die Mehrheit der Meinungen macht mich stutzig. Sind plötzlich so viele Arbeitgeber und Bahnvorstände bei Twitter?

Nein, Solidarität ist des Deutschen Stärke nicht. Noch nie gewesen. Ich fing an Argumente zusammen zu tragen, diese in schöne Sätze verpackt mit viel Ironie und Sarkasmus hier zum Besten zu geben – weil diese zur Schau getragene Ignoranz in mir leichte Aggressionen weckt. Bis mir klar wird, dass Argumente nichts mehr bewirken wo solche Meinungen bereits gebildet sind.

Abseits des eigenen Mikrokosmos aus Smartphone, Starbucks und vermutlich genau so schlecht bezahltem Job, aber ohne eigene Interessenvertretung ist kein Platz für Verständnis. Die Bahn hat zu fahren, schließlich zahl ich. Unterstützt wird das kollektive verbale Einknüppeln auf Claus Weselsky von der Journallie in den Kommentarspalten. Bescheuerte Witze inklusive. »Gott erschuf die Welt in 7 Tagen, an 6 davon hat die GDL…« Ich mach mich nass.

Ist stelle hier mal eine gewagte These auf: Es ist vielleicht nicht die beste Idee, kritische Infrastruktur wie die Bahn »marktwirtschaftlich« organisieren zu wollen. Wieso? Weil die Vorstände eines Konzerns mit über 600 Millionen € Gewinn nicht gewillt sind, so viel Personal zu beschäftigen, dass die Überstunden vertraglich begrenzt werden könnten, sich aber in 2014 erstmal selbst die Rosetten doppelt vergoldet haben.

Liebe GDL, bitte Streikt, dass sich die Balken biegen, vielleicht wacht dieses sedierte Arschvolk dann mal auf und merkt, dass es selbst am kürzeren Ende des Hebels sitzt.

Nachtrag:

Von 1991 bis 2012 ist die Zahl der Beschäftigten um 67% gesunken. Im gleichen Zeitraum sind die Bezüge der Vorstände um das zehnfache gestiegen!

bahn-statistik

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